Anselm Grün in der Elisabethkirche/ Marburg

Heute war Anselm Grün in Marburg und referierte zum Thema: Kranke besuchen - Trauernde trösten

Krass. Dieser Mann hat eine Tiefe, friedvolle, redegewandte, positive, in Einklang klingende Art zu reden. Es war schön ihm zuzuhören, denn er redete so seelsorgerlich - einfach direkt ins Herz. Er hatte mich schon vor dem Vortrag für sich gewonnen. Ich finde so ein Mönch hat eine tiefe mystische Art anhaften. Da wird bei mir immer wieder eine tiefe Sehnsucht wach. Ich merke wie ich immer mehr weg geh von dem lautem, charismatischem Getöse (ohne das abzuwerten!), hin zu einer ehrfürchtigen Stille… es zieht mich mit einer teils zerreißenden Sehnsucht an die stillen, versenkten Ort indem Gott mir begegnet. Aber das ist wohl ein eigenes Thema. Jetzt erstmal was kleines vom Anselm:

“Mögen die Gedanken, die mich bewegen, auch Sie berühren, damit Sie durch meine Worte mit den eigenen Gedanken in Berührung kommen, die Sie schon in sich tragen und die Ihnen den Weg weisen, wie Ihr Leben gelingen wird”.

Nuja, nun zum Thema. Ich bekomme wohl noch ein paar Gedanken vom Vortrag hin:

  • Er betonte immer wieder das Trauern seine Zeit braucht. Das es wichtig ist zu trauen. Sich die Zeit zu nehmen die Trauer zu erleben und nicht flüchtig darüber weg zu huschen oder sich abzulenken. Ich musste gleich an meine Trauerzeiten denken und wir mir geholfen hat, in den Momenten den Schmerz und die Trauer auszuhalten.
  • Zum Umgang mit Trauernden: Wenn man Trauernde anschweigt und sie in Ruhe lassen will vermittelt das, dass sie nicht trauen dürfen, dass wenn sie so sind lieber gemieden werden. Die Menschen brauchen Verständnis und Hoffnung.
  • Wenn der Trauernde nicht hoffen kann, sollen wir für ihn mithoffen. Egal wo er steht und wie lange er schon an diesem Punkt ist, wir dürfen die Hoffnung auf etwas Besseres nicht aus den Augen verlieren.
  • Leiden hat ansich keinen Sinn. Wir können aber dem Leiden einen Sinn geben. Er erzählte von einer Frau mit 5 Totgeburten. Diese Frau trauerte um ihre Kinder. Irgendwann ergab das Leiden für sie einen Sinn. Sie war sich sicher, dass im Himmel schon ein Teil von ihr (ihre Kinder) auf sie warteten. Sie bekam einen neuen Bezug zu Gott, dem Himmel und konnte mit einer neuen erfrischten Art mit anderen Kindern arbeiten (sie betreute Behinderte).
  • Er erzählte von einer Frau die mit ihrem Sohn immer in die Kirche kam. Der Sohn starb mit 38 Jahren. Sie wollte nicht mehr in Kirche gehen, da sie sich fragte warum Gott nicht einen der ihm nicht wohlgefälligen Männer genommen habe. Sie war voller Rebellion. Rebellion hat auch seinen Platz im Trauerprozess und kann helfen. Wenn man darin allerdings stecken bleibt, kann es den Glauben zerbrechen. Wobei in diesem Fall nicht der Glaube angegriffen wurde, sondern das falsche Gottesbild: Das Bild von Gott etwas zu bekommen, wenn man ihm etwas wohlgefälliges tut (treu in die Kirche zu gehen…). Durch das sterben der falschen Gottesbilder kann man Gott klarer sehen.
  • Praxis-Tipp: Die Sterbenssegnung: Es sollte sich mit der Familien um den Kranken versammelt werden. Dann werden dem Kranken die Hände auf Kopf, Hand und erkranke Stelle gelegt. Es wird dabei erstmal geschwiegen. Dabei wird vermittelt, es ist in Ordnung so, es muss nichts passieren, Ruhe… Es wird ein Bibeltext gelesen. Danach darf jeder etwas bitten, sagen oder danken. Oft ist hier die Offenheit etwas angestautes endlich loszuwerden und nicht mehr zu schweigen. Es wird vom Ausführenden gebetet und dabei die kranke Stelle, Kopf und Hand mit Öl oder Balsam gesalbt. Zur Abschlusssegnung wird ein Kreuz in die balsamierte Hand gezeichnet.

Gedanken-Fetzen:

  • Anselm hatte eine positive Art vom krassen Wort und Begriff Selbstmord zu reden: Derjenige war zu sensibel um zu Leben.
  • Zum Thema, das jemand Suizid beging und die hinterbliebene Frau sich starke Vorwürfe machte und Schuldgefühle hatte. Ein Toter ist im Frieden und macht keine Vorwürfe mehr. Warum sollte er den Hinterbliebenen noch quälen wollen? …

Wir gingen in der E-Kirche (die übrigens völlig voll war und wir nur noch hinten stehen konnten) nach vorne, um Anselm nochmal genauer anzusehen. Er sieht schon etwas seltsam aus… aber auch nett :) . Die ganzen Ommas waren um ihn herum um sich ein Autogramm geben zu lassen. Dann sah ich etwas und ich kam mir vor wie beim Teeniekonzert -> 45 jährige Frauen halten Anselm mit ausgestrecktem Arm ihr Handy vor die Nase um ein Foto zu schießen und das noch in der Kirche! So ein Quatsch… Diese alten Leute wissen einfach nicht, was sich gehört. Zum Glück waren wir jungen Hüpfer da, um etwas Ordnung in den Laden zu bringen -> Wir bewarten trotz Anschauung des Mönchslein Ruhe und Ordnung, Schmunzelten etwas über das ganze Getue und verschwunden bei dieser ganzen Aufregung erstmal zu Burger Kind um Gutscheine einzulösen… lecker…

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